Calimbra und die Kunst, trotz allem zu vertrauen

Cc – Calimbra, die Mütterliche

 

Der Buchstabe Cc, den ich Calimbra nenne, steht für wohlwollende, mütterliche Qualitäten. Seine Form ist weich, wie ein Halbkreis, nach vorne geöffnet. Genau darin liegt seine Botschaft: empfange, halte und vertraue.

In einer Welt, in der gesundes Misstrauen morgens beinahe zusammen mit den Vitaminen eingenommen wird, wirkt Vertrauen bisweilen wie eine gewagte Disziplin. Die Nachrichten liefern zuverlässig Stoff für Stirnfalten, Meinungen und Forderungen rauschen durch den Raum, und so mancher Mensch oder manche Situation wirkt erst auf den dritten Blick wie eine gute Idee. Umso wichtiger wird die Frage, wie es mir gelingt, dem Tag und den Menschen mit offenem Herzen und zugleich klarem Blick zu begegnen.

 

Das C c kann dabei helfen. Seine offene, flexible Form fördert weibliche Qualitäten wie Ruhe, Sanftheit, Beobachtung und Wahrnehmung.

Es erinnert daran, dass Stärke nicht immer laut daherkommt. Manchmal sitzt sie einfach still da, atmet tief durch und weiß trotzdem sehr genau,

was Sache ist.

Ich erinnere mich an Carsten. Als wir uns begegneten, saß er traurig am Fenster eines Cafés. Da kein anderer Platz frei war, fragte ich, ob ich mich zu ihm setzen dürfe. Nach einer Weile fragte ich ihn, was ihn so traurig machte, und tatsächlich begann er, mir sein Herz auszuschütten. Er erzählte, dass ihn ein Mann mit einem angeblich lukrativen Angebot über den Tisch gezogen hatte. Es ging um viel Geld, doch noch schwerer wog für ihn die Erkenntnis, dass er dem anderen so schnell vertraut hatte.

Da ich meinen Block dabeihatte, bat ich ihn um eine Schriftprobe. Seine Handschrift war locker, schwer lesbar und etwas schludrig, wie er selbst sofort zugab. Seine Unterschrift bestand aus einem großen C und einem Rest, der sich eher ahnen als lesen ließ. Als ich ihn bat, seinen Vornamen bewusster zu schreiben und das C in eine stimmige Form zu bringen, konnte er das sofort umsetzen. Es machte ihm sogar Freude. Ich ging kurz weg, und als ich zurückkam, hatte Carsten bereits zwei Seiten C c und eine ganze Seite mit seiner Unterschrift geübt.

Diese zwei Stunden sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Als ich ihn zum Abschied fragte, ob er das Gefühl habe, mir vertrauen zu können, sagte er ja. Auch ich hatte ihm vertraut. Darin liegt etwas ganz Entscheidendes: Selbst wenn der Vertrauenskanal einmal einen deutlichen Riss bekommen hat, bleibt die Fähigkeit zu vertrauen in uns erhalten. Sie braucht manchmal nur einen neuen Zugang, etwas Raum und eine Form, an der sie sich wieder ausrichten kann.

 

Jeder Mensch erlebt im Lauf seines Lebens Vertrauensprüfungen, in Freundschaften, in Beziehungen, im Geschäftsleben und im Umgang mit sich selbst. Besonders unerquicklich wird es dort, wo Selbstbetrug ins Spiel kommt. Wenn sich Wut und Enttäuschung gegen mich selbst richten, tut es so richtig weh. 

Calimbra spendet Trost und Halt, wenn beides gebraucht wird. Gib diesem Buchstaben Weite und Raum. Seine Öffnung möchte freie Sicht auf künftige Ereignisse. Auch im Wort Ich hat das C seinen Platz. Das gefällt mir besonders, denn Vertrauen beginnt in erster Linie in der Beziehung zu mir selbst.

Ja, das Ungewisse kann Angst machen. Gleichzeitig hast du bereits einen beachtlichen Weg zurückgelegt. Bis hierher bist du gekommen, mit allem,

was dich geprüft, geprägt und gestärkt hat. Die Geschichte geht also weiter, und du hältst immer noch den Stift in deiner Hand.

 

Die erste Regel: Atme ruhig und tief. Atme in deinen Körper und in deine Handschrift. Vertraue darauf, dass in dir mehr Weisheit lebt,

als dein Kopf an unruhigen Tagen vermutet. Bleibe bei dir, öffne dich dem Leben und traue deiner inneren Stimme wieder ein gutes Stück mehr.

Viel Freude beim Üben. 

Marika Jacqueline Mitterhofer