Ist das Kali Yuga vorbei – oder leben wir noch mittendrin?

Die Christen sprechen von der Apokalypse, die Hindus vom Kali Yuga, die Muslime von Qiyamah, die alten Griechen vom eisernen Zeitalter und die Philosophen vom Nihilismus – unterschiedliche Namen für dieselbe Ahnung, dass etwas zu Ende geht. Die eigentliche Frage bleibt, nüchtern gestellt: Wo genau wir darin stehen? 

Woran kann ich erkennen, ob ich mich in diesem, eher schwierigen Zeitalter, befinde? 

Ein paar interessante Beschreibungen, die mir logisch erscheinen: 

 

1. Verwirrung statt Klarheit

Wahrheit wird schwer erkennbar

  • Informationsflut und viele widersprüchliche „Wahrheiten“
  • jeder hat „seine Version“ der Realität

Ergebnis: Orientierungslosigkeit trotz einer Unmenge an Wissen

 

2. Materie über Sinn

Besitz ersetzt Werte

  • Erfolg definiert sich aus einer Kombination von Geld, Status und Sichtbarkeit
  • der eigene Selbstwert wird an Leistung, oder vielmehr Leistungen, gekoppelt
  • Konsum ist das Mittel, die innere Leere zu füllen

 „Ich habe viel, also bin ich viel wert. “

 

3. Beschleunigung & Dauerstress

 Unruhe des Geistes und viele Ängste

  • permanente Erreichbarkeit
  • kaum echte Pausen und wenn, dann mit schlechtem Gewissen
  • die Aufmerksamkeit ist völlig zersplittert

 Der Geist kommt nie wirklich zur Ruhe

 

4. Sprache verliert  ihre Tiefe

Worte verlieren an Gehalt und Wahrheit

  • die Kommunikation wird sehr oberflächlich
  • viel Gerede, aber nur wenig Inhalt
  • Begriffe und Wörter werden verdreht oder entwertet

 Sprache wird ein beliebiges, unbewusstes Werkzeug, anstatt Ausdruck von Wahrheit

 

5. Beziehungen werden instabiler

Bindungen lösen sich schneller

  • kurzfristige Verbindungen und schnelle Trennungen
  • Menschen werden austauschbar
  • wenig Verbindlichkeit und Loyalität in Beziehungen

 Nähe ohne Tiefe

 

6. Identitätsverlust

Menschen kennen ihre wahre Natur nicht mehr

  • ständige Selbstoptimierung
  • Vergleich mit anderen
  • Unsicherheit: „Wer bin ich eigentlich?“

 Das Außen wird lauter und wichtiger als das Innere

 

7. Autoritäten  wird misstraut 

 Ordnung und Systeme zerfallen

  • berechtigtes Misstrauen gegenüber Institutionen
  • gleichzeitig blinder Glaube an Trends, Influencer und neuen Systemen

 Alte Strukturen fallen, neue sind oft nicht stabil

 

Wenn man ehrlich ist, sind viele dieser Punkte nicht mystisch, sondern erstaunlich präzise Beschreibungen unserer momentanen Zeitgeschehnisse.

Wann dieses finstere, verwirrende Zeitalter endet liegt wohl nicht so sehr an der Zeitangabe, sondern eher an dem Bewusstsein der Menschheit. Kenne ich die Symptome, kann ich mich darauf einstellen und bewusst entscheiden. 

 

Handschriftliches Schreiben ist für mich kein Wundermittel, sondern ein Werkzeug. Es wirkt nur, wenn ich es wirklich nutze.

Was ich dabei aber immer wieder ganz konkret erlebe: ein tiefes Gefühl von innerer Verbundenheit. Meine Gedanken sortieren sich augenblicklich, ich werde ruhiger und sehe wieder klarer. Es spielt keine Rolle, ob ich Buchstaben übe oder ins Tagebuch schreibe – in beiden Fällen wird meine innere Welt angenehmer und freundlicher.

Mir ist auch bewusst geworden, dass ich am Ende nur mein eigenes Denken und Handeln beeinflussen kann – nicht das der anderen und schon gar nicht das der ganzen Welt. Vielleicht reicht es aus, mich selbst besser im Griff zu haben, mir bewusst Zeit und Raum zu nehmen und weniger in den Strudel von Handy und Medien gezogen zu werden.

Ich habe das Gefühl, dass ich so tatsächlich stabiler durch diese Zeit gehen kann. Wenn ich auf mich selbst acht gebe, anderen gegenüber mit Mitgefühl, Wohlwollen und Freundlichkeit begegne, könnte ich gut durch das Kali Yuga kommen. Was meinst du, wäre das auch ein Weg für dich?

 

Kali ist im Hinduismus die Göttin der Zerstörung – jedoch im Sinne von Befreiung:

Sie steht für das Ende von Illusionen, falschem Ego und alten Mustern, für alles, was nicht mehr wahr ist.

So schaut's aus. 

Bleiben wir im Vertrauen, daß jede unserer Handlungen einen Beitrag dafür leisten, diese Zeit friedlich zu durchwandern. Es ist nicht für immer. 

Mit handschriftlichen Grüßen

 Marika Jacqueline Mitterhofer