Manchmal beginnt alles mit einer einfachen Beobachtung:
Wie stehst du in der Welt und wie zeigt sich das in deiner Schrift?
Gestern im Zoom-Call haben wir über Introvertiert, Extrovertiert und Otrovertiert gesprochen.
Drei Bewegungsrichtungen von Energie -drei Arten, mit der Welt in Kontakt zu treten. Erstaunlicherweise spiegelt sich diese geistige Einstellung genauso in jedem einzelnen Schrift-Bild wider.
Der Begriff „otrovertiert“ leitet sich vom spanischen otro ab – „der Andere“. Geprägt wurde er von Dr. Rami Kaminski. Gemeint ist damit kein Außenseiter aus Mangel an Interesse, sondern ein Mensch, der sich bewusst eigenständig erlebt. Mit seiner Umwelt verbunden, aber dennoch innerlich unabhängig.
Introvertiert bedeutet: Die Energie richtet sich stärker nach innen. Die eigene Reflexion geht vor impulsiver Reaktion.
Im Schriftbild zeigt sich das häufig durch eine etwas kleinere Schrift. Die Buchstaben neigen sich sichtbar nach links, was den Rückzug schon deutlich sichtbar macht. Absolut niemand lernt diese Schreibrichtung in der Schule. Sie entsteht aus Furcht vor verbalen Angriffen.
Auch die steil aufrechte Handschrift hat ihre Schwierigkeiten mit größeren Gruppen, lauten Geräuschen oder sehr hellen Räumen. Die Wortabstände sind oft etwas weiter gewählt, was den Abstand zum anderen gewährt. Hier denkt jemand sorgfältig nach, bevor er sein Innerstes nach Aussen bringt. Der Mensch überlegt genau, bevor gehandelt und sich verbrüdert.
Extrovertiert heißt: Das Interesse dreht sich ums Außen. Sie muß raus, in Form von regem Austausch, Dynamik und häufigen Begegnungen.
Die Handschrift wirkt im wahrsten Sinne des Wortes großzügiger, breiter und raumgreifender. Eine deutliche Rechtsneigung drückt die Bewegung, oder auch den Drang nach vorne aus. Viele Buchstabenverbindungen zeigen kontinuierliche Kontaktfreude und auch die Wörter können etwas näher beieinander stehen. Die allgemeine Linienführung ist bei extrovertierten Charakteren eher lebendig, ausdrucksstark, und oft mit originellen Formen verziert. Hier geht es auch um Tempo, um Vorankommen. Schneller, weiter, höher ist die Devise.
Und dann gibt es die Mittleren – jene, die weder rein im Innen noch ausschließlich im Außen leben. Menschen, deren Charakter zu dem “otrovertierten“ Charakter passen.
Ihre Schrift ist meist mittelgroß, leicht nach rechts geneigt, aber nicht überkippt. Sie verbindet teilweise, aber nicht alles. Die Muster sind klar, sauber, und lesbar. In den Buchstaben Verbindungen lässt sich eine Gleichmäßigkeit erkennen, die originell und effizient gewählt ist.
So bleiben sie in ihrer Balance - eigenständig, in Beziehung sein und Nähe zulassen, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Die entscheidende Frage lautet:
Kann ich diese Charakterzüge durch meine Schreibweise beeinflussen?
Ja, das geht sogar sehr gut. Mit jeder Schreibübung formst du neue Verknüpfungen in deinem Gehirn. Hier entfaltet die Graphotherapie ihre eigentliche Wirkung.
Schrift ist ein Bewegungsmuster und jede wiederholte Bewegung formt neuronale Bahnen. Wenn du deine Schrift bewusst veränderst, trainierst du zugleich ungewohnte Ein-Stellungen.
Eine sehr kleine Schrift kann durch bewusstes Vergrößern mehr Präsenz und Sichtbarkeit entwickeln.
Stark nach rechts drängende Linien können durch eine minimale Aufrichtung innere Ruhe und Gelassenheit fördern.
Wer kaum Buchstaben miteinander verbindet, kann in Beziehung gehen symbolisch durch kleine "Händchen" an der Grundlinie üben.
Wer sich zu stark anpasst und dabei sich selbst vergisst, kann durch klare Abstände Selbstabgrenzung stärken.
Veränderung geschieht durch Übung, Beharrlichkeit und durch viele Wiederholungen.
Deine Handschrift ist kein festgeschriebenes Etikett. Sie ist vielmehr ein dynamischer Ausdruck deiner Innenwelt.
Die Frage ist: Wohin möchte ich mich entwickeln?

